Und täglich grüßt der Ströbele

Was die erfolgreiche Wahlkampfallianz eines Grünen Fundamentalisten mit einem altlinken antisemitischen Comiczeichner über die alternative Stammwählerschaft verrät

Ströbele ist wieder da. An allen Laternen und Zäunen finden die Bewohner von Prenzlauer Berg-Ost, Friedrichshain und Kreuzberg in diesen Wochen das neueste Plakat seines Chefzeichners Seyfried. Im Zentrum – Ströbele. Charismatisch, festen Schrittes und wie immer mit wehendem roten Schal führt er die Schar seiner Jünger an, in den Händen die Regenbogenfahne, Ströbele als Wiedergänger des „Sozialrevolutionärs“ Thomas Müntzer. Nicht gegen Fürsten und Pfaffen, sondern „die Finanzmärkte“, „Bonzen“, „Spekulanten“ und „Wucherer“ – das erklärt den Dummen deutlich die rechte Bildhälfte – gilt nun offensichtlich in den Augen von Seyfried und Quasi-Messias Ströbele der bei Müntzer beliebte Satz Jesu: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“

Das Schwert sollte in den Augen Ströbeles schon 1991 Gerechtigkeit bringen, als er Saddam Husseins Gasraketen-Angriffe auf Israel mit den Worten kommentierte, es handele sich bei der Bombardierung um die gerechte Antwort auf die Politik Israels gegenüber den Palästinensern und den arabischen Staaten. Hierin wird ihm sein jahrzehntelanger Genosse und Freund Seyfried sicherlich beipflichten, der auch die Illustrationen zum Buch des antisemitischen und antiamerikanischen Verschwörungstheoretikers Mathias Bröckers beisteuerte, dem er voller Bewunderung für dessen krude Theorien ebenfalls freundschaftlich verbunden ist. Die Illustration vermittelt Seyfrieds wahnhafte Vorstellung, wonach das Böse in der Welt fassbar sei, in Washington gesteuert werde und natürlich viel mit Juden, Freimaurern und Israel zu tun habe.

Seyfried, der schon seinen Ressentiments Ausdruck verlieh, als er das Betreiben von Atomkraftwerken bildlich mit dem Holocaust gleichsetzte und die neue Rechtschreibreform als „Endlösung der Dudenfrage“ bezeichnete, ist für alle Ströbele-Wahlkämpfe Chefzeichner gewesen. Schon die letzten Plakatmotive bedienten nicht nur Freunde von plumpen antikapitalistischen Plattitüden und offenem Sozialneid sondern ebenso Anhänger eines sich multikulturalistisch nennenden kulturellen Rassismus. So erscheint 2005 der Schwarze im Pulk hinter Ströbeles Fahrrad – das Biomilch von echten deutschen Kühen geladen hat – in einem traditionellen afrikanischen Gewand und mit großen weißen Zähnen, die Muslima trägt selbstverständlich ebenso folkloristische Kleidung und ist vollkommen verhüllt. Hier ist dem Betrachter gleich klar, wo jemand herkommt und also auch hingehört. „Fremde“ Kulturen sind offensichtlich unveränderbar und Personen aus anderen Kulturkreisen auf diese festgelegt.

Deshalb, so Ströbele nebst seinem grünen und „linksautonomen“ Fußvolk in Diskussionen um den McDonalds an der Skalitzer Str., gehört nach Kreuzberg Döner und Hähnchen, aber nicht Cheeseburger. Arbeitsrechte und Qualität des Essens spielten in der Diskussion offensichtlich keine Rolle, vielmehr eine vermeintlich autochthone Kiezkultur, die gegen Fremdeinflüsse zu verteidigen sei. Ströbele versteht nichts von Kapitalismus und nichts von Kapitalismuskritik. Marx ist nur da, um auf seinem Wahlplakat als Witzfigur bekifft auf einer Wolke zu sitzen. Eine inhaltliche, anspruchsvolle, theoretische und dialektische Diskussion, eine tatsächliche Kritik der herrschenden Verhältnisse ist mit diesem Narzissten nicht zu haben. Seyfried fasst in Bilder, was Ströbele vertritt – den Appell an das Ressentiment, an positiv wie negativ aufgeladene kulturrassistische Fremdbilder, an plumpen Antiamerikanismus und strukturell antisemitische Stereotypen.

Damit ist zumindest eines sicher: In „seinem“ Wahlbezirk wird genau deshalb wieder Ströbele gewinnen, denn genau so gewinnt er die Stimmen von Autonomen Pseudohausbesetzern ebenso, wie die von taz-Lesern und zugezogenen Kultur-Szene-Mitte-“Prenzlberg“-“Fhain“-Bewohnern, von stereotypengesteuerten Multikulti-Fans und Bildungsbürgern. Und das ist dann wenigstens ein ehrliches Ergebnis.

Ein paar Antifas aus dem Wahlkreis

http://xxx.seyfried-berlin.de/plakate/stroebele1.php
http://xxx.stroebele-online.de/2696886.html
Gefundenes Fressen – Wegen verquerer Israel-Äußerungen mußte Grünen-Sprecher Ströbele zurücktreten. Jetzt soll alles nur ein Mißverständnis gewesen sein, Der Spiegel , 9/1991, 25. Februar 1991

Andere zum Thema „Alle sind dabei – wenn HC Ströbele ruft“

„HC Ströbele, Direktkandidat für Bündnis ’90/Die Grünen im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, hat es derweil auch hinbekommen schön zu illustrieren, was dieses rumgekreuze eigentlich ist.
Auf dem Plakat findet sich nämlich so irgendwie jeder aus dem Bezirk wieder: die Protestierer gegen den Afghanistaneinsatz, der Hipster für den Atomausstieg, der Antifa-, Mediaspree versenken-, Krisenprotest-Aktivist und auch jener, der mit „Venceremos“ und Che Guevarra die internationale Solidarität hoch hält. Auch Marxisten dürfen sich angesprochen fühlen, hockt da doch auf Wolke 7 der Karl, trinkt seinen Tee und betrachtet sonst tatenlos das Treiben auf der Erde. Angeführt wird diese Gruppe, in der sich natürlich auch der Hausbesetzer-Pirat, die Mutti mit Kind, der Opa mit Hut und natürlich die Kopftuch tragende Muslima wiederfinden, vom Berufsdemonstranten Ströbele, der seinerseits mit einem Regenbogenbanner loszieht, dass sowohl an die „Pace“–, wie auch die Homo-Fahne erinnern mag, und der Aufschrift „Entwaffnet die Finanzmärkte“ einen Müllberg aus Bankenrettungsplänen und A100-Bauvorhaben erklimmt. Im Hintergrund steht noch passend der Bundestag, aus dem Stimmen die nächste Währungsreform heraus planen und über dem die Geier kreisen.
Wenn eines bei diesem Plakat deutlich wird, dann das, dass sich fern ab vom Inhalt doch bitte jeder fürs Wahlkreuz mit den Grünen identifizieren können sollte und aus dem oppositionellen Weltuntergangsszenario sich jeder seinen Reim für eine bessere Regiertheit durch die Grünen machen soll, letztendlich also mit dem Wahlkreuz keinerlei Zustimmung oder Ablehnung zu den Inhalten dieser eben gewählten Partei stattfindet, sondern eben nur die Bejahung, dass es eine Führung braucht, die alle gemeinsam durch Krise, Atomunfälle und andere nationale Schicksalsfälle bringt.“

http://rockstar.blogsport.de/2009/08/18/wahlkampf-09/

Olé!

Den unvermeidbaren Schluss, dass der Versuch, sein gesamtes verschwurbeltes und widersprüchliches Wahlprogramm auf ein Plakat zu packen, nicht nur in der Entblößung seines gigantischen Populismus entlarvend sondern auch zum sofortigen Scheitern verurteilt ist, hat Ströbele nicht gezogen.

Die PR-Büros anderer Parteienvertreter – die wenigstens keine durchgeknallten antisemitischen Verschwörungs-theoretiker beschäftigen – offensichtlich schon.

„Keine Faxen.“ wirbt hier die Parteiendemokratie, und: „Olé“.

Klaue zur Sonntagsfrage: Des Bürgers erste Pflicht

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Re: Hans-Christian Ströbele, Kritik, Wahlkampf, Wahlplakat, Direktkandidat, Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Berlin, Plakat, Bündnis 90/ Die Grünen, Kulturrassismus, Kulturalismus, Rassismus, Antisemitismus